Vom Gesellenstück zur Ikone: Wagenfeld Leuchte

Wagenfeld Leuchte WG24 / Bauhausleuchte

Sie ist eine Ikone der klassischen Moderne, steht emblematisch für das Bauhaus und gilt als Ausweis des guten Geschmacks: die Wagenfeld Leuchte.

Die Wagenfeld Leuchte ist neben Marcel Breuers Sessel B3 („Wassily“) das wohl bekannteste Produkt des Bauhauses. Was wenige wissen: Der Klassiker des deutschen Industriedesigns ist ein Gesellenstück.

Vorgeschichte der Bauhaus-Leuchte

1923 fand am Bauhaus ein programmatischer Richtungswechsel statt. Statt Kunst & Handwerk sollte eine Symbiose von Kunst & Technik stärker in Erscheinung treten. Der ungarische Künstler László Moholy-Nagy übernimmt im selben Jahr die Leitung der Metallwerkstatt. Auf seinen Impuls hin entwickelt der Silberschmied Carl Jacob Jucker Leuchten mit Glasfuß und gläsernem Schaft, der die Funktion, die Kabelage im Inneren, sichtbar macht.¹

Wagenfeld Leuchte

Im Zuge seiner Gesellenprüfung entwickelt Wilhelm Wagenfeld, zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 24 Jahre jung, eine Metallleuchte. Fuß, Schaft und Kuppel seines Entwurfs bilden eine formale Einheit; ein Milchglas-Schirm umschließt das Leuchtmittel. Die Wagenfeld Leuchte blendet nicht und spendet angenehmes Licht.

Vergleiche zu Vorkriegsentwürfen der Wiener Architekten Adolf Loos und Josef Hoffmann drängen sich auf. Allerdings straffte Wilhelm Wagenfeld die Form, verzichtete auf jedweden Schnörkel und wählte ein Kleinformat.² In einer Modellvariante werden Schaft und Fuß der Leuchte gläsern sein. Das bei Jucker zuvor sichtbare Kabel verlegt Wagenfeld in ein Metallrohr.

1924 geht die Leuchte in Produktion. Ab 1928 bei der Berliner Firma Schwintzer & Gräff. Die Wagenfeld Leuchte wird heute von der Firma Tecnolumen hergestellt.

Bauhaus (1919–1933)

Der erhofften neuen Gesellschaft wollte das Bauhaus (der „Große Bau“) die gestalterische Grundlage liefern. Dabei schufen der Gründer Walter Gropius und seine Mitstreiter, erstrangige Künstler der Avantgarde, weniger eine Ausbildungsstätte für Designer und Architekten als vielmehr einen Brennpunkt der Moderne, einen Schmelztiegel der Ideen und Konzepte zu nahezu allen Fragen der Gestaltung – von der Teetasse bis hin zu kompletten Inneneinrichtungen und Siedlungsprojekten.³


¹ Vgl. 50 Bauhaus Ikonen, Josef Straßer; Prestel Verlag 2009, S. 77.
² Vgl. bauhaus design, Bernd Polster und Askan Quittenbaum; DuMont Verlag 2009; S. 112.
³ Vgl. Seemanns Bauhaus Lexikon, Halo Düchting; Verlag E. A. Seemann 2009, S. 6.

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