Sitzei und Pastil Chair – Space Age Design

Sitzei Pastil Chair Eero Aarnio, Senftenberger Ei, Peter Ghyczy

Sie ähneln wie ein Ei dem anderen – das Sitzei, der Pastil Chair. Oberflächlich betrachtet. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zweier Space-Age-Designklassiker.

Der Pastil Chair von Eero Aarnio und Peter Ghyczys Sitzei verkörpern revolutionäres 60er-Jahre-Design, sie kamen ungefähr zeitgleich auf den Markt (1968) und weisen beträchtliche Ähnlichkeiten auf. Das Gartenei und der Pastil Chair im Vergleich.

Pastil Chair von Eero Aarnio

Eero Aarnios Pastil Chair aus dem Jahr 1968 ist eine Art moderner Schaukelstuhl. Er ist robust, wetterbeständig und sprichwörtlich ein heißer Schlitten – man kann damit tatsächlich rodeln. Bedeutender jedoch: Kann ein Stuhl aus Fiberglas bequem sein? Überraschend, aber ja.

Die Form ist inspiriert von einer kleinen Süßigkeit (Bonbon mit einer kleinen Delle). Der Clou: Pastil fügt sich perfekt in Eero Aarnios Globe Chair ein. Da sein ausladender Kugelsessel im Inneren viel Raum lässt, sollten sich Transportkosten senken lassen.

Sitzei von Peter Ghyczy

Aarnios Entwurf knüpft an das Gartenei von Peter Ghyczy an. Zur selben Zeit entstanden (1968) und ebenfalls aus Fiberglas geformt. Peter Ghyczys Sitzei ist der erste aufklappbare Sessel¹. Klappe zu und sein Polster ist vor Regen geschützt. Geöffnet bildet der Deckel die Rückenlehne. Das Sitzei wurde zeitweilig vom VEB Synthesewerk Schwarzheide hergestellt und in der DDR auch auf dem Binnenmarkt angeboten. Daher die auf den Herstellungsort anspielende Bezeichnung Senftenberger Ei. Das Design ist jedoch westlich und beruht auf Peter Ghyczys Entwurf von 1968 für die Firma Elastogran in Lemförde. Ein namhafter Sammler des Sitzeis ist der Modedesigner Karl Lagerfeld.

Eero Aarnio (*1932)

Eero Aarnio, geboren 1932 in Helsinki, zählte zu den ersten finnischen Designern, die sich mit künstlichen Materialien wie Fiberglas, Acrylglas und Plastik beschäftigten. Eero Aarnio ist einer der Protagonisten des Space Age Designs.

Peter Ghyczy (*1940)

Peter Ghyczy, geboren 1940 in Budapest, flüchtete 1956, in Folge der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes, nach Bonn. 1968 übernahm Ghyczy als freier Mitarbeiter eine leitende Funktion bei Elastogran in Lemförde. Hier zeichnete er für die Entwicklung von Polyurethan-Produkten verantwortlich und entwickelte zahlreiche innovative Entwürfe, die ihn als einen der produktivsten Designer jener Jahre ausweisen. Peter Ghyczy lebt heute in Holland.


¹ Vgl. Wikipedia, Peter Ghyczy.

Foto Senftenberger Ei, Leipzig-Messe 1973 via Bundesarchiv.

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