Warum Breuers B3-Stuhl der erste Designklassiker ist

Erster Designklassiker Klassiker: Wassily Sessel B3 Marcel Breuer

Dass ausgerechnet Marcel Breuers Stuhl B3 als erster Designklassiker reüssierte, ist eine Laune der Geschichte des Möbeldesigns. Wie kam es dazu?

In den 1950er Jahren schaute man nach vorn und nicht zurück. Das Bauhaus war out. Man empfand es als gestrig und wähnte es zudem auf der „falschen“ Seite des Eisernen Vorhangs. Bauhaus-Produkte, darunter auch die Stahlrohrmöbel des Gestalters Marcel Breuer (1902–1981), waren nicht mehr gefragt. Dies zu ändern, bleibt einem Italiener vorbehalten.

Bauhaus Renaissance

1962 legte der Möbelunternehmer und Designexperte Dino Gavina (1922–2007) aus Bologna Marcel Breuers epochalen Entwurf neu auf. Der für Poesie schwärmende Geschäftsmann verlieh ihm einen neuen Namen: B3 hieß jetzt Wassily. In Anspielung auf den Künstler Wassily Kandinsky (1866–1944), in dessen Dessauer Wohnzimmer ein Exemplar dieses Breuer-Stuhls gestanden habe. Gavina, in Kunst und Kommerz bewandert, führte bei dieser Gelegenheit auch gleich den Begriff des Designklassikers ein.¹ Damit war der Begriff des Klassikers in der Welt des Wohndesigns.

Erster Designklassiker

Avantgardistisches Mobiliar als klassisch zu bezeichnen, war durchaus gewagt zu dieser Zeit. Das Bauhaus wollte vieles sein, aber sicher nicht klassisch. Gavinas Methode, ein Designprodukt von Allerweltsware zu unterscheiden, mit Bedeutung und Emotionen aufzuladen, machte schließlich Schule und ist heute gängige Marketing-Praxis.


¹ Vgl. „bauhaus design“, Bernd Polster und Askan Quittenbaum; DuMont Verlag 2009; S.61.

Shop the Story