Bauhaus Schachspiel von Josef Hartwig

Bauhaus Schachspiel Josef Hartwig

Die moderne Interpretation des traditionellen Brettspiels steht mustergültig für die Innovationskraft des Bauhauses. Ein Klassiker der Moderne: das Bauhaus Schachspiel des Bildhauers Josef Hartwig.

Das Bauhaus Schachspiel (1923) von Josef Hartwig ging erstmals 1924 in Produktion. Es ist eines der ersten Serienprodukte des Bauhauses. Hartwigs Spielfiguren zeichnen sich durch reduzierte Formen aus. Nicht durch historische Vorbilder, sondern allein durch ihre Funktion im Spiel bestimmt. Jedem, auch dem Anfänger, sollen sich dadurch die Regeln des Schachspiels leicht erschließen.

Bauhaus Schachfiguren

Wie beschreibt der Meister selbst das Wesen der Figuren? In einem Musterblatt des Bauhauses von 1926 geht Josef Hartwig, Zug um Zug, auf das Prinzip des Schachspiels ein:

„Die neuen Spielsteine sind gebildet aus den stereometrischen Grundformen: Würfel und Kugel. Einzeln oder kombiniert geben sie durch ihre Form die Gangart, durch ihr Volumen den Wert an. Der Bauer und der Turm ziehen winkelrecht zum Brettrand, ausgedrückt durch den Würfel. Der Springer bewegt sich rechtwinklig in Hakenform, rechtwinklige Würfelanordnung. Der Läufer zieht diagonal zum Brettrand: ein aus dem Würfel geschnittenes Schrägkreuz. Der König zieht winkelrecht und diagonal: ein kleiner Würfel über Eck auf einem größeren. Die Dame, die beweglichste Figur, besteht aus Würfel und Kugel. Sie steht dadurch in starkem Kontrast zum König. Turm und Bauer sind nur aus dem Würfel, dem Symbol des Massigen und Schweren, gebildet. Der Spielwert ist durch Höhe und Volumen bezeichnet: König und Dame, Läufer und Springer sind gleich groß und haben je das halbe Volumen des Turmes.“¹

Bauhaus Schachspiel

Die Naef Spiele AG fertigt Bauhaus-Spielzeuge nach den Originalentwürfen. Naef ist spezialisiert auf die Produktion von hochwertigem Design-Spielzeug. Naef-Spiele sind der „Rolls Royce“ unter den Holzspielen.

Josef Hartwig

Josef Hartwig (1880–1955) wird von Walter Gropius (1883–1969) 1921 ans Bauhaus Weimar geholt. Von 1921 bis 1925 wird er Werkmeister in der Stein- und Holzbildhauerei. 1923 entwirft er das berühmte Bauhaus-Schachspiel. Nach der Schließung des Bauhauses in Weimar geht Hartwig nicht nach Dessau, sondern wie Christian Dell an die Frankfurter Kunstschule. Hier unterrichtet er bis 1945 Bildhauerei. Später leitet er die Restauratorenwerkstatt der Städtischen Skulpturengalerie.²


¹ Vgl. „bauhaus design“, Bernd Polster und Askan Quittenbaum; DuMont Verlag 2009; S.118.

² Vgl. Wikipedia und „bauhaus design“; Bernd Polster, Askan Quittenbaum; DuMont Verlag 2009; S.288.

Bauhaus Klassiker